Bewusstsein…

…liebe Menschen wünscht euch kein  klares Bewusstsein, wünscht es euch nicht das ihr begreift das das Leben nicht unendlich ist.
Wie oft habe ich mir in meinem Leben schon gewünscht bewusster, realer, ehrlicher und echter das Leben und diese Welt zu begreifen. Zu verstehen das es jederzeit vorbei sein kann. 
Zu verstehen das man seine Träume ausleben kann und MUSS.

Zu verstehen, das man reist, liebt, verbindet, sucht und findet.

Wie oft wollte ich das Leben greifen, es genießen, alles was Dreck ist von mir abschütteln.

Und jetzt wünsche ich mir ich würde nicht wissen wie es sich anfühlt sterblich zu sein, wie es sich anfühlt gar keine Sicherheit im Leben zu besitzen, das alle Pläne nichts nützen, wie es sich anfühlt zu vermissen, den Tod den jeder fürchtet auf eine gewisse Art erleben zu müssen, aber doch…
…der Mensch hat immer nur begrenzt Macht über sein Leben.

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Umgang mit Trauernden…

…heute möchte ich ein bisschen etwas aus der Sichtweise eines Trauernden schreiben. Was braucht man in seiner Trauer, was tut gut, was nicht.

Ich habe gestern Abend mit meiner Freundin und ihrem Hund einen Waldlauf gemacht und wir haben uns ausgetauscht wie unsere Trauerzeit für uns ist.

Ich glaube das es vielen Menschen schwer fällt mit Trauernden Zeit zu verbringen. Da spielt Angst, Unsicherheit, die zeitweise auftretenden emotionalen Wutausbrüche eines Trauernden eine große Rolle, was soll man sagen, was nicht. Darf man lachen, Spaß machen, darf man über Alltag reden über Sachen die im Vergleich zum Verlust seines Kindes eigentlich klein und belanglos sind. 

IHR DÜRFT !
Mir tut Schweigen weh, mir tut weh das man denkt ich möchte allein sein, dass ich meine Ruhe brauche. 
Ich möchte nicht das mein Kind durch Schweigen und Ignoranz in Vergessenheit gerät.

Mir tut Isolation weh, das Gefühl ich gehöre nicht mehr dazu. Aber ich will dazu gehören, ich will überleben, ich habe jemand verloren den ich mehr als mich selbst liebe, für den ich sofort mein eigenes Leben geben würde. 
Ich bin traurig weil ich liebe und vermisse, ich bin wütend weil ich es nicht verstehen kann, weil ich meinen Sohn nie wieder auf dieser Erde sehen werde. 

Aber ich möchte dazu gehören, ernst genommen werden, ich möchte genauso um Rat gefragt werden, oder unsinnige Sachen machen. 

Ich möchte mich betrinken, tanzen, reisen, lachen, lieben, ich möchte weinen, in den Arm genommen werden und und und…

Natürlich ist das auf eine gewisse Art und Weise ambivalent aber eben authentisch. 

Im Leben läuft doch sowieso nichts gerade, Sicherheit und Garantie gibt es nicht ! Nie ! Auch nicht für die Menschen die noch nie etwas mit Verlust erlebt haben.

Wenn ich wirklich meine Ruhe brauche dann teile ich das mit und nehme mir sie auch. Wenn ich Gespräche über Probleme oder Alltag energieraubend finde dann teile ich auch das mit.
Man kann als Trauernde meistens genau mitteilen was man braucht, fragt einfach nach. 

Aber schließt nicht aus.

Einsamkeit ist das Schlimmste für mich. 

Ich bin auch nicht mehr mit Lio’s Vater in Kontakt, die offizielle Trennung war Anfang des Jahres, seitdem ist Funkstille, was definitiv so bleiben wird und gut ist, aber dadurch stehe ich irgendwie noch mehr alleine da. Lio war von uns beiden gewollt. Und das unsere Beziehung nicht gut war, hat rein gar nichts mit Lio zu tun.

Tabuisierung ist auch furchtbar. 
Es ist ok einem Trauernden zu sagen das man Angst hat und unsicher ist, das man nicht weiß was man reden soll. Es ist ok diese Lähmung und Ohnmacht zu empfinden, aber es ist besser dieser Lähmung den Kampf anzusagen als sich zurückzuziehen.

Trauernde brauchen Menschen die lieben, zuhören, einen weinen lassen, es passiert doch nichts wenn jemand weint, außer das man dadurch heilt.
Trauernde brauchen Anteilnahme, brauchen Ablenkung, brauchen das Gefühl das nicht allein durchstehen zu müssen.

Vor allem von Menschen im eigenen Umkreis, Familienmitglieder, enge Freunde. Es gibt auch mittlerweile gute Bücher, oder Beratungsstellen wo man hingehen kann die einen Ratschläge geben im Umgang mit Trauernden und entlasten können.

Ich denke es ist so wie alles im Leben das Wichtigste authentisch miteinander umzugehen und zu sein! 

Mein Sohn ist nicht nur mein Sohn, er ist Enkel, Neffe, Cousin, Patensohn und Freund. 
Mein Sohn hat einen Platz auf dieser Erde verdient auch wenn Er nicht auf ihr lebt !

Erschlagen…

…ich bin und fühle mich erschlagen.Ich liege im Zimmer in dem ich zur Zeit lebe auf dem Boden und höre dem Regen draußen zu.

Es regnet die letzten Tage immer wieder mal, fast so als würde der Himmel mit mir weinen.

Von der Energie die ich hatte ist jetzt nichts mehr übrig.
Tatsächlich passiert es mir wieder das ich manchmal nur ein Rauschen höre wenn andere mit mir sprechen.

Meine Traurigkeit ist anders geworden, momentan sehr gewaltig, aber vielleicht befinde ich mich jetzt im Auge des Sturms.
Mein Sohn hat seine letzte Ruhestätte in Deutschland, viel zu weit weg, ich wünsche mir jeden Tag ich dürfte meine Hand auf seinen Stein legen damit er weiß ich bin da.
Meine beste Freundin hilft mir gerade dabei für Lio einen Ruheplatz, eine Gedenkstätte in Österreich zu bekommen.
Ich kann ihn zwar nicht überstellen, aber Lio soll einen Ort bekommen an dem er und ich uns begegnen können.

Das alles kostet mich so unvorstellbar viel Kraft, deswegen bin ich von Herzen dankbar das meine beste Freundin das alles für mich organisiert.
Ein Jahr ohne ihn, wer hätte gedacht das ich dieses Jahr überhaupt überleben werde und doch geht es irgendwie einfach weiter.
Und es regnet immer noch…

Geteiltes Leid…

…ich habe eine Freundin die mit mir das gleiche Schicksal teilt.
2016 war nicht unser Jahr.

2016 war ein schrecklich, trauriges Jahr für uns beide.
Leider wohnt meine Freundin 360 km von mir entfernt, aber gestern bin ich zu ihr gefahren.

Sie ist die Schwester meiner besten Freundin.

Meine beste Freundin die mich so viele Jahre begleitet und liebt und mir bei Ihnen zuhause einen Ruheort geschaffen hat.

Einen Ort zu dem ich flüchten kann wenn der Schmerz so tief ist das ich nicht mehr weiter weiß.
Jetzt bin ich also hier.

Es ist eine schöne Zeit.

Ich saß gestern Abend mit meiner Freundin die das gleiche Schicksal teilt auf ihrer Terrasse, in Decken eingemuckelt, Blick auf ihren Garten, Vollmond, Sternenhimmel und wir haben unendlich viel geredet.
Wenn ich mit ihr bin fühle ich mich frei, fast normal könnte man sagen.
Mit ihr kann ich über unsere verstorbenen Söhne, unsere Gefühle, Gedanken, unsere Erfahrungen mit anderen Menschen, unsere tiefe Trauer reden und es tut gut verstanden zu werden.

Der Austausch und die Kraft die man sich gegenseitig gibt ist Balsam für meine zerschundene Seele, für mein gebrochenes Herz.

Es ist nicht so dass ich mit anderen, mit Nicht Betroffenen nicht darüber reden kann und darf, aber ich habe bei Menschen die so etwas nicht überleben mussten ständig Angst.
Angst ich würde sie belasten, Angst ich würde sie runterziehen, Angst man nervt wenn man viel traurig ist.

Angst ich verletze sie viel zu oft mit meiner wechselnden Stimmung, meiner Wut.

Wiederum passiert es mir oft bei anderen das ich meinem Sohn gegenüber ein schlechtes Gewissen habe, weil ich ihn zu wenig erwähne, dabei könnte ich stundenlang über ihn, über unsere Geschichte reden.
Aber Trauer macht auch andere traurig, schockiert, verletzt, zieht runter, es ist so das unsere Sorgen und Gedanken nicht mehr kompatibel sind.

Aber mit meiner Freundin ist das anders, da muss ich mich nicht mit meinen Gefühlen zusammenreißen, wenn mir die Tränen kommen ist es ok. Wenn ich wütend bin ist es ok.
Ich tue ihr mit meiner Trauer und meinem Verhalten nicht weh.

Sie versteht mich und das tut mir wiederum unendlich leid, denn ich wünschte von Herzen das sie diesen Schmerz und Verlust nicht überleben und erleben muss.

Gedanken…

…heute ist wieder ein Tag an dem ich unglaublich viel nachdenke.
Über meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft.
Mein Kind hat meine Weltanschauung und meine Werte komplett verändert. 

Ich möchte unbedingt Mama sein, es ist das beste Gefühl, der beste Lebensabschnitt den ich je in meinem Leben hatte um so größer der Schmerz das ich Mutter sein nicht ausleben kann und darf.

Mich interessiert mein altes Leben vor Lio nicht mehr.
Karriere ist unwichtig.

Party machen ist unwichtig.

Beziehungsstress ist unwichtig.

Geld ist unwichtig.

Streiten ist unwichtig.

Alltag ist unwichtig.

Alles ist irgendwie unwichtig.

Manchmal fällt es mir sehr schwer mich in andere hineinzuversetzen.
Wenn Menschen mir ihre Probleme erzählen kommt es nicht mehr so an wie vor Lio’s Tod.

Es wirkt alles so klein, so unrealistisch.

Fast so als hätte ich eine Welt betreten in der mich Alltagsprobleme und zwischenmenschliche Beziehungen nicht mehr erschüttern können.

Und dann diese Sorgen, ich bin 35 Jahre alt, ich frage mich ob ich irgendwann wieder mal schwanger sein darf und werde.
Ich rechne mir aus selbst wenn ich demnächst jemand kennenlernen sollte wird man nicht sofort ein Kind in die Welt setzen.

Falls ich überhaupt jemand kennenlernen werde.

Und ich werde nicht jünger.

Beziehung ist für mich momentan eher kein guter Gedanke, meine letzte Beziehung hat mir so viel Kraft und Energie geraubt.
Aber doch ist er fortwährend da, dieser Wunsch Mama sein zu dürfen, können.
Denn es gibt nichts Schöneres auf dieser Welt als die Liebe zwischen einem Kind und seiner Mutter.
Und wenn man diese Verbindung einmal erleben durfte, möchte man nichts anderes mehr.

Trauer…

…die letzte Woche war abwechslungsreich mit meinen Emotionen.
Während ich am Montag noch vor Wut meinen Kopf gegen die Wand schlagen hätte können, bin ich heute wieder ruhiger und friedlicher.
Das verdanke ich den Menschen die mich genau in jeder Verfassung ertragen, verstehen können und mir die Hand reichen.
Ich glaube ich muss mit dem Gedanken und Gefühl der Unvollständigkeit leben lernen. 

Ich weiß noch nicht wie ich es schaffen kann.

Es wird vollkommen egal sein was ich tue, mein Kind wird mir immer fehlen.

Mein kleiner Lio ist eine Lücke in meinem Leben die nie schließen wird.
Ich habe mir vorgenommen mich mehr ernst zu nehmen und mir zu erlauben auch weniger schöne Gefühle zu haben.

Ich muss nicht funktionieren.

Ich darf leiden, mein Herz darf schreien und weinen, jemand wurde mir genommen, jemand der niemals zu ersetzen ist. 

Von nichts und niemand.

Du fehlst mir meine kleine Motte💛

Wut…

…ich bin so wütend.

Auf mich selbst, auf das Leben, auf Gott ( falls der überhaupt existiert).

Ich lese meine letzten Einträge und frage mich wie es sein kann das man das Gefühl hat es stabilisiert sich alles und plötzlich gibt es wieder eine große Atomexplosion.

Plötzlich sitzt man da und denkt sich warum soll ich mich bitte zusammen reißen, für wen und was?

Warum soll ich den Menschen das Gefühl vermitteln, ach ja ich schaffe das alles schon und es ist besser, es ist leichter.

Also ob es hier um alltägliche Probleme geht.

…oder ist es einfach nur ein Gefühl von dem ich mich leiten und negativ beeinflussen lasse. Bin ich einfach viel zu schwach um dem zu widerstehen. Bade ich im Selbstmitleid, bedauere ich mich selbst. Sehe ich mich als armes Opfer? Oder bin ich viel zu hart zu mir selbst. Gestehe ich mir nicht ein das ich ein Recht darauf habe wütend und traurig zu sein.

Habe ich mich doch negativ verändert, bin ich zu direkt.

Ich war immer empathisch, mir war es wichtig das die Menschen um mich herum sich wertvoll und geliebt fühlen. Das ich sie ermutigen kann, in Ihnen sehe was sie selbst nicht sehen können. Dieser Wunsch das andere glücklich und zufrieden sind.

Und jetzt bin ich gar nicht mehr empathisch, kommt mir das so vor oder ist es so. Bin ich kalt, direkt und unbarmherzig geworden. Habe ich alle meine Geduld verloren. Bin ich doch zu sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich andere aus den Augen verliere?

Man sagt mir, du musst auf dich schauen, achten, dich pflegen, aber ich laufe doch sowieso unvollständig durch die Gegend und in Wahrheit wird sich das auch nicht mehr ändern.

Und warum macht man sich selbst Mut, damit man anderen von seinem Leben erzählen kann, damit andere ermutigt sind, damit andere denken, hey man kann immer wieder aufstehen. Wie toll.

Ich will gerade, jetzt, in diesem Moment liegen bleiben.

Ich wäre jetzt eigentlich Mutter und in Wahrheit bin ich nichts und niemand.

Es ist ein Kampf um’s überleben, ein aufstehen und wieder hinlegen, es ist Mut fassen und Hoffnung verlieren.

Es ist ein Wechsel zwischen Neuanfang und Abschied.

Es ist einen klaren Kopf behalten wollen und den Verstand verlieren.

Es macht müde, es zerrt, es beraubt und es heilt doch.